Herr A (Hirschfeld 1)

Wann erwähnt: 1910

Namen(n): M: Herr A / W:

Lebensdaten: 1880 (ca.) geboren

Beruf: Kaufmann

Ort(e): Region um Leipzig

Fallbeschreibung

Originaltext Hirschfeld

Fall I.

Herr A., Kaufmann, ca. 30 Jahre alt, stammt von gesunden Eltern. Anzeichen von Triebabweichungen oder Degeneration in der Verwandtschaft sind nicht nachweisbar. Die körperliche Kindheitsentwicklung war normal. Obwohl er an Knabenspielen teilnahm, zog er doch Häkeln, Stricken und Puppenspiele vor. Sein Aussehen soll immer etwas mädchenhaft gewesen sein. In der Schule zeigte er gute Fähigkeiten. Die Geschlechtsreife trat angeblich erst anfangs der zwanziger Jahre ein. Die Stimme war immer ziemlich hoch, ging erst Mitte der Zwanziger etwas herab. Bartwuchs stark.

Status praesens: Hüften männlich, Konturen mehr mager, Hände und Füsse von mittlerer Grösse; neigt zu Fusstouren, Tanzen, Radfahren und Schwimmen. Schritte gross und schnell. Hautfarbe weiss, zart, glatt. Eine Phimose mittleren Grades wurde durch Circumcision beseitigt. Haupthaar kräftig, Körperbehaarung unbedeutend. Wird leicht blass. Sohmerzempfindlichkeit gross. Ohren klein. Kehlkopf wenig hervortretend; Stimme hoch, ungeziert, neigt zum Sprechen in Fistelstimme, singt Sopran. Besitzt starke Empfänglichkeit für Affekte, Neigung zum Weinen, auch zu nervösen Lach- und Weinanfällen; schreibt sich Zärtlichkeit, Gutmütigkeit und Selbstaufopferung zu. Ist sehr ordnungsliebend, gemächlichem Leben nicht abgeneigt; raucht gar nicht, verträgt wenig Alkohol. Hat etwas Neigung zu Schauspielkunst, Talent für Musik. Von geschichtlichen Persönlichkeiten interessieren ihn besonders Nero, Napoleon, George Sand, Bismarck, Kaiser Friedrich. Liest viel Romane und wissenschaftliche Werke; ist Freimaurer.

Vita sexualis. Aus seinen Aufzeichnungen sei folgendes entnommen:

„Aus den Kinderjahren habe ich nur sehr dunkle Erinnerungen, als 2-3jähriges Kind soll ich in einem blauen Kleidchen mit weissem Spitzenbesatz allgemein bewundert worden sein, weil es zu dem blonden Haar und blauen Augen so gut stand. Die Schule besuchte ich anfangs, etwa ein Jahr lang, nur mit Widerstreben, oft gab es Schläge, und man brachte mich fast mit Gewalt hin. Der Grund meiner Abneigung mag vor allem aus dem mürrischen, barschen Wesen des Lehrers entsprungen sein, dessen finsteres Gesicht mir Furcht ein flösste.

Später wurde ich einer der fleissigsten Schüler, und bin gern in die Schule gegangen. Ausser Knabenspielzeug habe ich stets meine Puppe gehabt. Sie wurde an- und ausgekleidet, und überhaupt regelrecht mit ihr gespielt. Meine Mutter und Schwester fertigten viel Handarbeiten, für die ich reges Interesse bekundete. Ich lernte daher selbst häkeln, und brachte mit ziemlicher Geschicklichkeit hübsche Häkelarbeiten in Wolle und Zwirn zustande. Später dehnte ich meinen Handarbeitseifer auch auf Stickereien aus, sodass bald manches Produkt meiner fleissigen Nadel unser Heim zierte.

Sonst habe ich an allen Knabenspielen teilgenommen, nur das „Klettern“ habe ich bis zum heutigen Tag nicht kapieren können. Pfeifen kann ich sehr gut, darin bin ich ganz Mutters Sohn, denn meine Mutter konnte ausgezeichnet pfeifen. Seit meiner frühesten Kindheit hegte ich den Wunsch, Mädchenkleider anzuziehen. Ich habe mir im Alter von ungefähr 12-13 Jahren gelobt, diesem Wunsch oder Drang später, sobald es mir meine pekuniären Verhältnisse gestatten sollten, Genüge zu tun. Als ich heranwuchs, bin ich oft wegen meiner hohen Stimme und meines mädchenhaften Aussehens gehänselt worden.

An meine Jugendzeit zurückdenkend, sehe ich mich im Kreise meiner Spielgefährten, Mädchen und Jungen aus der Nachbarschaft, wie wir aus Eichenlaub Kränze und Guirlanden winden und uns damit als Braut und Bräutigam schmucken, den Brautzug markieren usw. Oft war ich der Brautigam, manchmal habe ich mich aber auch als Braut schmuc en lassen. Meine liebsten Spielgefährtinnen waren zwei Mädchen, Johanna und Maria. Mit ihnen habe ich bis zur Beendigung der Schulzeit alle Freuden und Leiden getragen, wir sind sozusagen zusammen erzogen worden. Wurde ich oft von den Jungen als „Mädchenpfist“ (ein in der Heimat gebräuchlicher Ausdruck) verspottet, so antworteten wir wohl mit dem Kindervers:

„Mädchen tragen goldene Kränze,
Jungen kriegen Rattenschwänze,
Mädchen kommen ins Himmelreich,
Jungen in den tiefen Teich.“
(Jungen sangen umgekehrt.)

Später machte ich mir aus den illustrierten Katalogen grosser Firmen, wie Gerson usw., Puppenstuben, schnitt die Kostümbilder, Möbel, Betten aus, klebte alles in gehöriger Anordnung in ein Buch, und stellte mir so Salon, Schlafzimmer, Küche usw. zusammen. Die Kostümbilder wurden in den verschiedenen Zimmern verteilt, zu Bett gebracht, an- und ausgekleidet, und dergleichen mehr. Nahmen meine Gespielinnen ihre Handarbeiten vor, so holte auch ich meine Häkelei oder Stickerei herbei.

Unter all’ meinen Spielsachen bevorzugte ich meine Puppe immer am meisten. Als mir eines Tages von Mutter und Schwester erklärt wurde: „das ist das letzte Kleid, das du für deine Puppe bekommst, so ein grösser Junge soll sich schämen, noch mit Puppen zu spielen“ schlich ich mich aufs tiefste bekümmert davon.

Im Alter von etwa 13 Jahren hatten die Mädchen von den Geschlechtsunterschieden gesprochen, auch meine Freundinnen erörterten das Thema mit mir, und wir zeigten einander unsere Genitalien, doch haben wir wohl keinerseits irgendwelche Erregung verspürt. Meine Gespielinnen behandelten mich ganz als ihresgleichen, wir hatten keine Geheimnisse vor einander. Zu Geburtstagen und Weihnachten beschenkte ich sie stets mit selbst angefertigten Handarbeiten, und bin darauf nicht wenig stolz gewesen.

Nach der Konfirmation wurde ich durch die Lehrjahre etwas abgelenkt, doch war mein Interesse für weibliche Angelegenheiten unvermindert und ich verfolgte die Modezeitungen usw. In dieser Zeit las ich eine Beschreibung über die Toilette einer reichen Römerin, wurde dadurch sehr aufgeregt (im Gemüt, nicht geschlechtlich) und mein ganzes „Ich“ drängte mich zu weiblicher Tätigkeit. Ich wollte so herzlich gern ein Mädchen sein und träumte oft mit offnen Augen davon, schmiedete Pläne für die Zukunft usw. Oft sah ich mich im Traum als Mädchen und heute, nach ca. 14 Jahren sind mir noch die Gemächer erinnerlich, in denen ich leben wollte, oder von welchen ich träumte.

Als ich nach vollendeter Lehre in eine andere Stadt versetzt wurde, brannte ich mir die Haare (mein Innerstes trieb mich dazu) und zog unbeobachtet jedes erreichbare weibliche Kleidungsstück an; oft bin ich des Nachts aufgestanden und habe versucht, aus der Garderobe ein Kleidungsstück der Hauswirtstochter zu erlangen.

Wie oft habe ich vor dem Fenster einer schönen Aristokratin gestanden und gewünscht, die Gesellschafterin oder das Kammermädchen derselben zu sein. Fand ein Hofball statt, so war ich gewiss zur Stelle, um mein Ideal abfahren zu sehen und die Toilette zu bewundern. Stundenlang bin ich unauffällig feinen Damen gefolgt, habe dieselben beobachtet, die Bewegungen studiert und mich an deren Anblick ergötzt. Um meinen Drang einigermassen zu stillen, kaufte ich meinen dürftigen Kassenverhältnissen entsprechend ein billiges Korsett (1,50). Ich habe dasselbe tagelang, dann ab und zu getragen. In dieser Zeit wurde ich im Geschäft wegen meiner hohen Stimme und meines mädchenhaften Aussehens oft gehänselt. Den Modeblättern wandte ich meine ganze Aufmerksamkeit zu und habe vor allen Dingen die Schaufenster der Damenkonfektions-Geschäfte täglich besichtigt.

Meinen Angehörigen und meiner sonstigen Umgebung habe ich meinen Hang, Damenkleider zu tragen, streng verheimlicht und alles vermieden, was mich verraten könnte. Bald wurde ich wieder in eine andere Stadt verschlagen, wo ich zum, ersten Mal heisse innige Liebe empfand. Meine Angebetete kannte mein Interesse für Damenkleider und lieh mir öfters einige Kleidungsstücke. Im Jahre 1900 war ich test entschlossen, als Dame zu leben, besonders seit mir der Lebenslauf der schönen Kunstreiterin Ella bekannt geworden war, doch ging das wegen meiner kleinstädtischen Unerfahrenheit und meines Geldmangels nicht gut. Ich machte zwar einige Versuche und schrieb auch an eine bekannte Künstlerin, offenbarte ihr mein Innerstes und bat dieselbe, mich als ihre Gefährtin aufzunehmen und mich in ihrer Kunst zu unterrichten.

Der Brief kam, heute sag’ ich Gott sei Dank, denn ich hätte mich doch blamiert, unbestellbar zurück, und ich vernichtete denselben. Auch schämte ich mich meines Dranges nach weiblichen Angelegenheiten und versuchte ihn ganz energisch zu bekämpfen. Ich reiste einige Jahre, verfolgte zwar auch da alle diesbezüglichen Angelegenheiten, doch hatte ich nie Gelegenheit, mich praktisch damit zu befassen.

Als ich meine Kontortätigkeit wieder aufnahm, wurde mein Wunsch nach Damenkleidern stärker als je, und ich wandte mich schliesslich an einen in der Presse lobend erwähnten Damendarsteller mit der Bitte, mir ein Kostüm abzulassen. Nach längeren Verhandlungen erhielt ich einige Monate später ein Kostüm, und ich konnte mich gerade an meinem Geburtstage zum ersten Male von Kopf bis zu Fuss vollständig als Dame ankleiden. Obwohl mir das Kleid nicht auf den Körper passte, zog ich alle die reizenden Toilettenstücke fast täglich, später einige Male wöchentlich abends in der Stille meines Zimmers an, und war selbstverständlich glücklich wie nie zuvor. Später liess ich mir das Kostüm abändern und konnte mit Unterstützung einer Schneiderin einen Maskenball besuchen. Wie überaus selig war ich, als ich dem Lokal zufuhr und beim Eintreffen ganz als Dame behandelt wurde. Ich tanzte viel, wurde von den Herren beschenkt und verlebte einige der glücklichsten Stunden meines Lebens. Später liess ich mir noch ein Gesellschaftskleid machen und zog es ebenfalls in der Stille meines Zimmers an.

In der Folgezeit bekämpfte ich meinen Drang nach Damensachen aufs äusserste; ich schloss m e in e Kleidungsstücke weg, und habe mich 4 Wochen, ein Vierteljahr, ja sogar noch länger nicht damit beschäftigt. Kam der Drang, so bin ich allen möglichen Zerstreuungen nachgegangen und habe in einer Zeit besonders viel (d. h. für meine verhältnismässig schwache Anlage viel) Geschlechtsverkehr gepflegt.

Den ersten Koitus übte ich mit 24 Jahren aus, habe dann aber aus Angst vor Geschlechtskrankheiten kein Verlangen darnach gehabt, weil ich mir nämlich gleich das erste Mal eine Gonorrhoe zuzog. Vier Jahre habe ich mich jeden Verkehrs enthalten. Eine Phimose liess ich inzwischen beseitigen.

Den Geschlechtsverkehr übte ich aus, weil ich glaubte, dadurch von meiner Leidenschaft befreit zu werden. Ist dies auch gelegentlich gelungen, so kehrte der Drang doch stärker zurück, und ich habe viel unter wechselnden Stimmungen gelitten. Infolge aufreibender Tätigkeit wurde ich dann so hochgradig nervös, dass ich eine längere Erholung nötig hatte. Als ich vom Urlaub zurückgekehrt war, drängten geschäftliche Sorgen den Trieb in den Hintergrund. Weiterhin suchte ich ihn hartnäckig zu bekämpfen; ich liess mir einen Spitzbart stehen, damit ich nie in die Versuchung käme, als Dame auszugehen. Letzteres war immer mein Wunsch; stets war ich überzeugt, dass ich eines schönen Tages alles Kämpfen aufgeben und nur meinem Drange leben würde. Endlich packte es mich so heftig, dass ich mich schliesslich an einen Arzt wandte.“ — —

Soweit der ungefähre Wortlaut des Herrn A. Da er sich sehr zurückgezogen hält, allem Exzess und allem Auffallendem abgeneigt ist, da ferner seine Libido so gering ist, dass sie sich nur dreimonatlich einmal äussert, so wurde ihm der Versuch angeraten, einige Zeit in Frauenkleidern zuzubringen, um seinen Zustand höchst quälender Unruhe zu beseitigen.

Nach langer Vorbereitung, nachdem er seine geschäftlichen Verpflichtungen geregelt und sich eine jener teuren, aber gutsitzenden Perücken zugelegt hatte, fuhr er in eine entfernte Stadt und brachte, als Dame gekleidet, einige Wochen in einer Pension zu, deren Inhaberin von allem unterrichtet war. Seinen Aufenthalt dort mögen einige Tagebuchnotizen illustrieren:

„Nach dem Kaffee las ich erst die neuesten Ereignisse, wurde dann von Frau E. in die Geheimnisse des Wäschelegens eingeweiht, übernahm dann das Tischdecken und sonstige kleinere Wirtschaftsarbeiten.“ —

„Ich bedaure immer, dass ich vor dem Schlafengehen die Kleider ablegen muss, darum schiebe ich die Zeit immer länger hinaus und empfinde jede Verlängerung als eine Wohltat, ist es mir doch beim Tragen der Kleider so wohl und mollig zu Mute.“ —

„Von heute kann ich nicht viel berichten. Im Laufe des Vormittags war ich tätig, oder vielmehr, ich suchte mich in der Küche durch allerlei Handreichungen beliebt zu machen. Nachmittag erhielt ich einige Briefe, deren Beantwortung längere Zeit in Anspruch nahm. Zum Abend hatten wir meine Gönnerin Frau M. als Gast. Bei Speise und Trank, und vor allen Dingen bei fröhlichem Geplauder verging die Zeit wie im Flug; wir hatten uns alle um den Sofatisch im Wohnzimmer gruppiert und konnten den reizenden Gesprächen und Gedichten Frau M.’s, welche eine nicht unbekannte Dichterin ist, lauschen. Ich knackte den Damen die Nüsse auf, und fühlte mich in deren Mitte so recht von Herzen wohl, so ganz wie es meinem „Wesen entspricht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals als Herr in einer Herrengesellschaft einen derartig genussreichen Abend verlebt zu haben.“

„Nach dem Abendessen schrieb ich einige Briefe, bis Frau E. und Sch. zurückkehrten, und für mich eine grosse Ueberraschung mitbrachten, nämlich zwei Toiletten von einer Hofdame der Prinzessin X. Beide Toiletten aus Seide, Atlas und Chiffon probierte ich nun und behielt das ausgeschnittene Gesellschaftskleid an, während Frau Sch. die Haustoilette anzog. Frau E. als Russin gekleidet kredenzte uns noch Kaffee, und wir verbrachten bei Musik, Gesang und Tanz herrliche Stunden, es war im Handumdrehen zwölf Uhr geworden. In dem herrlichen Kostüm habe ich mich so recht wohl gefühlt, das feine Parfüm und das Rauschen der seidenen Unterröcke war Musik in meinen Ohr en, aber auch die Damen bewunderten meine ganze Erscheinung und vor allen Dingen den Hals und Nacken. Nie wollte ich lieber eine Dame sein, als heute Abend und darum habe ich mich auch mit so rechter Innigkeit ausgekleidet. Nachdem ich alle Flammen des Kronleuchters aufgedreht hatte, stellte ich mich mitten vor den Spiegel und streifte das herrliche Kleid ab, dann die Spitzenunterröcke sowie das Korsett. Nach jedem Gegenstand eine längere Pause, ein Blick auf das Genossene, ein Blick auf das Kommende. Meine Höschen bauschen sich zierlich um die Schenkel und ihre hellblauen Schleifchen zwischen den Spitzen herab. Nun fiel auch das Beinkleid – und ich streifte mein Nachtgewand über. Kann es für mich noch etwas Schöneres geben? Wohl nicht! — —

Das Endergebnis dieser harmlosen Probe war für Herrn A. recht günstig. Die Depression war geschwunden, und er zehrte noch lange von der nachhaltigen Erinnerung des verlebten Glücks. Lusthandlungen irgend welcher Art sind während dessen nicht vorgefallen.

Der Eindruck, den er im Kostüm macht, ist verhältnismässig echt. Der bläuliche Schimmer der Rasur macht nur einen Schleier notwendig. Aufsehen hat er nirgends erlebt, selbst auf den Hauptstrassen der Grossstadt nicht. Höchstens, dass ihm „als Fräulein einige Herren nachstiegen“, was ihm über die Massen fatal und widerwärtig war.

Seine erotische Psyche ist ganz minimal mit Masochismus versetzt. Darauf weist sein oben ausgedrückter Wunsch, das „Kammermädchen einer schönen Aristokratin sein zu dürfen. Ferner liest er ab und zu gern ein masochistisches Buch, besonders hat ihn die Novelle „Weiberbeute“ von L. Fraumann interessiert, welcher Autor in unserer Kasuistik als Fall III vertreten ist. Ausserdem aber ist ihm bei eingehender Exploration etwa beeinflussender Momente eingefallen, er habe in der Schule, als die Passionsgeschichte vorgetragen wurde, Erektionen verspürt. Dies habe sich zuweilen wiederholt, wenn von einer Strafe oder Misshandlung, gesprochen wurde.

Seine Traumbilder bezogen sich immer auf „hübsche Damen“. Pollutionen fanden in weiten Zwischenräumen statt, nach seiner Ansicht besonders, wenn er abends zuvor gut gegessen und getrunken hatte. Zwischen 22 und 24 Jahren traten sie häufiger auf, d. h. alle 3 bis 4 Wochen. Einmal erblickte er sich selber als Dame, und in dem Moment, als er sich den Schleier umbinden wollte, erfolgte die Pollution.

Zur Kohabitation bevorzugt er Weiber mit gut entwickelter Mamma, überhaupt gut genährte Frauen mit runden Formen. Etwas Vorliebe besteht für blondes Haar. „Ausschweifungen“ und Perversitäten sind ihm veihasst, doch macht er in coitu gern den succubus.

Obszöne Reden sind ihm ein Greuel; er hat indessen unter Freunden oft mitgehalten, um als „ganzer Kerl“ zu erscheinen. Beim Anziehen von Kostümstücken erfolgt keine Erektion, nur zieht ein „molliges Gefühl“ durch seinen Körper. Sein Interesse richtet sich auf das ganze Kostüm, ohne Bevorzugung von Einzelstücken der Toilette.

Anmerkungen

Der Begriff „Mädchenpfist“ verweist auf den Leipziger Raum, siehe

Quellen

Magnus Hirschfeld: Die Transvestiten, 1910, Fall 1, S. 6-14