Männliche Braut, Wels, Johann Grarock

Wann erwähnt: 1876

Namen(n): M: Johann Grarock / W:

Lebensdaten: 1850 (ca.) geboren

Beruf:

Ort(e): bei Wels

Fallbeschreibung

Originaltext Die Presse

[Eine männliche Braut.] Vor Kurzem fand bei dem Kreisgerichte in Wels eine Schlußverhandlung wegen Betruges statt, deren Gegenstand in den Annalen der Heiratsgeschichten wol nicht oft vorkommen dürfte. Ein sicherer Johann Grarock theilte Ende August v. J. dem Mathias Meinhart, Dienstknecht beim Neuwirth in Weichselbaum, mit, daß er ihm eine Bauerntochter, welche ganz selbständig sei, ein Haus in der Ortschaft „Bettelar … grab“, Pfarre Atzhach, besitze und mit dem Handeln gut umgehen könne und bestellte hierauf den Meinhart, der sich geneigt erklärte, auf dieses Project einzugehen, auf den 19. September v. J. an einen Ort unweit Böcklamarkt, wo seine zukünftige Braut mit ihm zusammentreffen wolle. In der Tat erschien an jenem Abend ein Mägdelein, welches sich dem Meinhart als jenes Bauernmädchen vorstellte, von welchem Grarock mit ihm gesprochen hatte. Im Laufe des Gespräches erklärte sie ihm, daß sie ihn auch ohne Vermögen heiraten wolle, weil sie selbst genug Vermögen besitze, und es wurde von beiden Seiten abgemacht, daß die näheren Heiratsbedingungen auf dem Jahrmarkte in Timmelkam vereinbart werden sollten. Bevor sich die neuen Brautleute trennten, bemerkte die Braut, daß Grarock eine Uhr besitze, welche sie gerne haben möchte, und welche ihr Meinhart als Sicherstellung derZuhaltung des Eheversprechens geben könnte, indem sie zugleich versprach, ihm als Gegengeschenk eine ebenso werthvolle Uhr zu geben. Auch fügte sie bei, daß sie zu wenig Geld zu sich genommen habe, und deßhalb bei einem gewissen Sieberer sich 10 fl. ausborgen müsse. Der ritterliche Bräutigam fand sich dadurch bewogen, seiner Braut zur Beseitigung ihrer Verlegenheit 5 fl. zu übergeben. Am 4. October v. J. kam Meinhart auf den Markt nach Timmelkam, traf dort mit Grarock zusammen und er wartete seine Braut; Grarock verlangte von ihm 10 fl., die er dem Knechte der Braut übergeben wolle, damit dieser für Meinhart ein gutes Wort einlege. Meinhart gab dem Grarock die verlangten 10 fl. und ferner noch 4 fl., letztere für einen Spenser, den Grarock angeblich für die Braut kaufte, und vergütete ihm auch die Auslagen für einen Regenschirm, den Grarock ebenfalls für die Braut erstanden hatte. Die Braut erschien an jenem Tage nicht in Timmelkam, sondern Grarock theilte dem Meinhart mit, daß sie nach Wels gefahren sei und daß sie wahrscheinlich nicht mehr nach Hause kommen werde, übrigens habe er ihrem Knechte die 10 fl. bereits eingehändigt. Einige Zeit darauf theilte Grarock dem Meinhart mit, seine Braut mache Alles geheimnißvoll ab, damit die Leute es erst erfahren, wenn die Heirat schon gewiß sei. Nachdem Meinhart bereits so namhafte Beträge ausgegeben hatte, kamen ihm endlich Bedenken, ob Grarock auch redlich vorgehe, und er reiste daher nach Wels, um die Braut in ihrem ihm von Grarock angegebenen Aufenthaltsorte beim „Hofwirth“ aufzusuchen. In Wels fand er aber weder den Hofwirth noch seine Braut, und als er nach Böcklamarkt zurückgekehrt war, gestand ihm Grarock, daß er ihn mit dieser Heiratsgeschichte hintergangen habe, ersetzte ihm auch 30 fl. Es zeigte sich, daß Grarock selbst es war, der, als Frauenzimmer verkleidet, am 19. September sich dem Meinhart als Braut vorstellte. Grarock gesteht alle Thatumstände vollkommen, behauptet indeß, daß er sich mit Meinhart nur einen Jux mache» wollte, welcher Jux ihm jedoch zwei Monate Kerker eintrug.

Quellen