Es gibt eine ganze Reihe transsexuelle und intersexuelle Sportler und Sportler*innen, die im Laufe der Zeit bekannt wurden.

Casus Semenya

im Jahr 2009 rückten durch die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM in Berlin einmal mehr „besondere“ Sportler*innen in den Fokus der Medien. Genau jene Sportler nämlich, die nicht völlig eindeutig Mann oder Frau sind, und jene, die ihr Geschlecht „gewechselt“ haben. Diese Sportler stellen das binäre Geschlechtersystem in Frage.

Intersexuelle und transsexuelle Menschen gibt es vieltausendfach in der normalen Bevölkerung (v.a. erstere). Dementsprechend finden sie sich natürlich ebenso im Sport. Wenn sie in irgendeiner Weise „auffällig“ sind, gilt ihnen auf höchstem sportlichen Niveau oft auch das Medieninteresse.

Mit rechten Dingen?

Eine besondere Rolle spielt hierbei im Sport der Fairnessgedanke. Denn neben trans- und intersexuellen Sportlern hat es tatsächlich Versuche von Männern gegeben, in der Frauenwertung anzutreten. Auch transsexuelle und intersexuelle Frauen ziehen oft Argwohn auf sich. Viele Menschen meinen, dass sie gegenüber den „durchschnittlichen“ Frauen Vorteile hätten.

Ein weiteres sportspezifisches Thema ist Doping mit vermännlichender Wirkung, was gerade in den Zeiten des kalten Krieges bei einigen osteuropäischen Sportlerinnen für Diskussionen sorgte. In Deutschland gibt es sogar einen prominenten Fall, wo das Doping mit männlichen Geschlechtshormonen und Transsexualität gemeinsam auftraten. In diesem Zusammenhang gab es auch sogenannte „Geschlechtstests“ bei den olympischen Spielen und anderen internationalen Wettkämpfen.

Prominente Namen

Nachfolgend möchte ich einige prominente Fälle auflisten, ohne aber dabei die Fairnessdiskussion zu führen. Wichtig ist jedoch, die unterschiedlichen Phänomene (Transsexualität, Intersexualität etc.) nicht in einen Topf zu werfen.

  • Mianne Bagger, 1966 in Dänemark geboren, ist eine transsexuelle, australische Profigolferin. 1995 unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation und wurde einige Jahre später mehrfach australische Amateurmeisterin. 2004 erreichte sie die Zulassung des australischen Golfverbands für die Australian Open. Mittlerweile darf sie auch an Profiturnieren in Europa, Südafrika und den USA teilnehmen. Ihre offizielle Website: http://www.miannegolf.com/.
  • Iolanda Balaş, 1936 in Rumänien geboren, ist eine ehemalige Hochspringerin. Sie ist zweifache Olympiasiegerin (Rom 1960, Tokio 1964) und gilt als eine der besten Hochspringerinnen aller Zeiten.  Balas ist intersexuell und trat nach Einführung von Geschlechtstests nicht mehr an.
  • Balian Buschbaum, 1980 in Ulm geboren, ist ein transsexueller, ehemaliger Stabhochspringer. Als Yvonne Buschbaum war er sehr erfolgreich (mehrfache deutsche Meisterin 2003, sehr gute Platzierungen bei Europa- und Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen). Mit dem Coming Out als Transmann beendete er 2007 seine aktive Sportkarriere. Über seinen Weg hat er ein Buch geschrieben [todo]. Offizielle Website: http://www.pole-it-buschbaum.de/.
  • Shin Kim Dan (auch Sin Kim Dan oder Shin Geum Dan), 1938 geboren, ist eine nordkoreanische, vermutlich transsexuelle Leichtathletin. Sie lief in den sechziger Jahren über 400 und 800 Meter in unwahrscheinlich guten Zeiten. Sie wurden aber nicht anerkannt, da Nordkorea kein IAAF-Mitglied war und ihr Geschlechtsstatus umstritten blieb. Mit der Einführung von Geschlechtstests 1966 zog sie sich von internationalen Wettkämpfen zurück.
  • Michelle Dumaresq ist eine transsexuelle Profi-Mountainbikerin aus Kanada. 1996 ließ sie eine geschlechtsangleiche Operation durchführen, 2001 trat sie zum ersten Mal bei einem Wettkampf an. 2003 und 2004 wurde sie kanadische Meisterin und vertrat Kanada bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften. Über sie wurden die beiden Dokumentarfilme „Dirt Diva“ und „100% Woman“ gedreht.
  • Sarah Gronert, 1986 geboren, ist eine deutsche Tennisspielerin. Sie erreichte binnen weniger Monate Platz 31 der deutschen Rangliste. Wegen Gerüchten und Anfeindungen um eine mögliche Intersexualität unterbrach sie 2008 ihre Tenniskarriere. 2009 entschloss sie sich, wieder bei Profiwettkämpfen anzutreten, nach eigener Aussage durch die Unterstützung ihres Fanclubs. Offizielle Website: http://www.sarahgronert.com/.
  • Maria Itkina, 1932 in der ehemaligen Sowjetunion geboren, ist eine ehemalige Leichtathletin. 1954 bis 1964 lief sie für die Sowjetunion über 400 Meter mehrfach Weltrekord. In den sechziger Jahren gab es Gerüchte, dass sie männlichen Geschlechts ist, seit der Einführung von Geschlechtstests zog sie sich vom aktiven Sport zurück. Heute ist sie Vorsitzende des weißrussischen Leichtathletikverbands.
  • Ewa Kłobukowska, 1946 in Polen geboren, ist eine ehemalige Leichtathletin und Olympiasiegerin. Über 100 Meter und in der 400-Meter-Staffel errang sie nationale und internationale Titel. Bei einem Geschlechtstest 1967 in Wuppertal wurde sie als intersexuell eingestuft, dadurch wurde sie später disqualifiziert, und ihre Rekorde wurden aus den Listen gestrichen.
  • Zdena Koubkova war eine tschechische Leichtathletin, die bei den Frauenweltspielen 1934 einen neuen Weltrekord über 800 Meter aufstellte. Sie war vermutlich intersexuell, unterzog sich Operationen und nahm den neuen männlichen Namen Zdenek an. Ihre Weltrekorde wurden gelöscht.
  • Andreas Krieger, 1965 in Berlin geboren, ist ein transsexueller ehemaliger Kugelstoßer. Er trat als Heidi Krieger für die DDR an und errang nationale und internationale Titel. Krieger wurde als Jugendliche unwissentlich Opfer des DDR-Staatsdopings mit Anabolika und männlichen Hormonen. Er hatte in den neunziger Jahren sein Coming Out als Transmann, 1997 unterzog er sich einer geschlechtsangleichen Operation. Er ist einer der wenigen Sportler, die über die DDR-Dopingpraxis sprechen, und ist engagiert im Kampf gegen Doping. Nach ihm ist die Heidi-Krieger-Medaille benannt, die seit dem Jahr 2000 an verdiente Doping-Bekämpfer verliehen wird.
  • Andrea Paredes de Roth, 1972 geboren, ist eine transsexuelle, chilenische Tennisspielerin. Sie unterzog sich im Jahr 2000 einer geschlechtsangleichenden Operation. Ihr Profidebüt gab sie im Jahr 2009.
  • Dora Ratjen, 1918 in Bremen geboren, 2008 gestorben, war eine deutsche Leichtathletin. Sie trat 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin im Hochsprung an und erreichte Platz 4. 1938 errang sie neuen Weltrekord und den Europameister-Titel im Hochsprung. Noch im selben Jahr wurde ihr Geschlecht jedoch als männlich eingestuft, und sie beendete ihre sportliche Karriere. Laut ihrem Vater waren die äußeren Geschlechtsorgane bei der Geburt nicht eindeutig gewesen, vermutlich war sie also intersexuell. Später lebte er als Heinrich Ratjen. Darstellungen in der Sportliteratur und Aussagen ihrer damaligen Konkurrentin Gretel Bergmann sagen aus, dass sie von den Nazis zur Teilnahme an den Olympischen Spielen gedrängt wurde, „für den Ruhm und die Ehre Deutschlands“. Zu diesem Thema erschienen 2009 ein Buch und ein gleichnamiger Film mit dem Titel „Berlin ’36„.
  • Renée Richards, 1934 geboren, ist eine transsexuelle, ehemalige US-amerikanische Tennisspielerin. Vorher schon als US-Tennisspieler bei den Männern erfolgreich, ließ sie im Jahr 1975 eine geschlechtsangleichende Operation durchführen, danach durfte sie 1976 nicht bei den US Open antreten. Sie focht das Urteil an und durfte 1977 als Frau bei Wettkämpfen antreten, bis 1981 war sie aktiv. Später trainierte sie die mehrfache Wimbledon-Gewinnerin Martina Navrátilová. Richards‘ 1986 erschienene Autobiographie „Second Serve“ [todo] wurde auch verfilmt.
  • Tamara Natanowna und Irina Press, 1937 und 1939 in der  Sowjetunion geboren, waren zwei überaus erfolgreiche Leichtathletinnen und wurden als „Press Sisters“ berühmt. Sie gewannen in den 60er Jahren zahlreiche Titel im Kugelstoßen, Diskuswerfen, Hürdenlauf uvm. Damals wurde aber vermutet, dass sie intersexuell oder mit männlichen Hormonen gedopt seien. Mit der Einführung von Geschlechtstests zogen sich beide vom aktiven Sport zurück.
  • Erik Schinegger, 1948 in Österreich geboren, ist ein ehemaliger Skirennläufer. Geboren als Erika Schinegger mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, errang sie 1966 und 1967 internationale Titel in der Alpinen Skiweltmeisterschaft und im Weltcup. Mit der Einführung von Geschlechtstests wurde festgestellt, dass er männlichen Geschlechts ist. Danach ließ er sich operieren und änderte seinen Vornamen. 1988 erschien das Buch „Mein Sieg über mich“, 2005 der Dokumentarfilm „Erik(A) – Der Mann, der Weltmeisterin wurde“ [todo].
  • Nicole Schnass, 1971 geboren, ist eine transsexuelle deutsche Triathletin. Seit ihrer Jugend war sie aktiv im Triathlonsport, zunächst als Mann. 2007 unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation. 2009 darf sie entsprechend den vom IOC verabschiedeten Regelungen in der Frauenwertung antreten. Ihr sportlich größter Erfolg war der Altersklassensieg beim Ironman Lanzarote 2009, durch den sie sich für den Ironman Hawaii qualifizierte. Offizielle Website: http://www.mic-nic.de/www.nicoleschnass.de/.
  • Caster Semenya, 1991 geboren, ist eine intersexuelle südafrikanische Leichtathletin. Durch den Sieg beim 800-Meter-Lauf bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin erhielt sie schlagartig größte Aufmerksamkeit in der Sportwelt, da bei ihr Intersexualität vermutet wurde. Die nachfolgende Debatte führte zu einer Reform der sportlichen Richtlinien.
  • Santhi Soundarajan, 1981 in Indien geboren, ist eine intersexuelle Mittel- und Langstreckenläuferin. 2005 und 2006 belegte sie erste und zweite Plätze bei internationalen Wettkämpfen über 800 Meter und andere Strecken. Nach einem genetischen Geschlechstest im Jahr 2006 wurde sie nicht als Frau klassifiziert. 2007 unternahm sie einen Suizidversuch.
  • Nong Toom (auch Parinya Kiatbusaba oder Parinya Charoenphol), 1981 geboren, ist eine thailändische Thaiboxerin. Bereits als Kind spürte sie ihre Transsexualität. Sie bestritt sensationell erfolgreich zahlreiche Wettkämpfe, um ihre geschlechtsangleichende Operation zu finanzieren und ihre Eltern zu unterstützen. Bekannt wurde sie durch den Spielfilm „A Beautiful Boxer“ über ihre Lebensgeschichte.
  • Stella Walsh (auch Stanisława Walasiewicz), 1911 in Polen geboren, 1980 in den USA gestorben, war eine polnisch-US-amerikanische Leichtathletin. Als sie 2 Jahre alt war, emigrierten ihre Eltern in die USA. Dort errang sie als Stella Walsh 1932 bei den olympischen Spielen in Los Angeles die Goldmedaille über 100 Meter in Weltrekordzeit. Auch in den nachfolgenden Jahren war sie noch sehr erfolgreich über 100 Meter, 200 Meter, in der 4x-100-Meter-Staffel und im Weitsprung. Sie starb 1980 bei einem bewaffneten Raubüberfall. Bei der Obduktion der Leiche wurde festgestellt, dass sie intersexuell  war.

Kennst du weitere transsexuelle und intersexuelle Sportler, die aufgrund ihres Geschlechts im Rampenlicht standen? Sind mir in der Liste Fehler unterlaufen? Dann schreibe mir doch einfach.