Es gibt einige Bücher, die das Genre der Transgender-Literatur geprägt haben bzw. die Pioniere auf ihrem Gebiet waren.

Nur manche davon sind erhältlich, entweder antiquarisch oder als Reprint. Zunehmend finden sich aber digitale Fassungen der Werke – Scans der seltenen Originale.

Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis, 1984/1912.

Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis
Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis

Autor: Richard von Krafft-Ebing. Titel: Psychiopathia sexualis. Untertitel: Mit besonderer Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung. Eine medizinisch-gerichtliche Studie für Ärzte und Juristen. Untertitel der Neuausgabe von 1984: Mit Beiträgen von Georges Bataille, Werner Brede, Albert Caraco, Salvador Dalí, Ernst Fuhrmann, Maurice Heine, Julia Kristeva, Paul Kruntorad und Elisabeth Lenk. Verlag: Matthes & Seitz Verlag, München. Erscheinungsjahr: 1984. Reprint der 14. vermehrten Auflage 1912. ISBN: 3-88221-351-5. Bindung: Gebunden mit Schutzumschlag, 53 + 460 Seiten. Preis: 28,80 €. In zahlreichen Ausgaben bei Amazon erhältlich.

Krafft-Ebings Werk gehört zu den Büchern, in denen das Phänomen Transgender zum ersten Mal wissenschaftlich bearbeitet wird. Unter den Stichworten „Fetischismus“ und „Konträre Sexualempfindung“ sind einige Phänomene beschrieben, die wir heute dem Bereich Transgender zuordnen. Zu jener Zeit waren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität noch nicht differenziert, weder in der Forschung noch im Bewusstsein der meisten Betroffenen.

Dieses Buch wurde in Reprints immer wieder aufgelegt, und es existieren auch digitalisierte Fassungen.

Magnus Hirschfeld: Die Transvestiten. Eine Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb, 1925.

Magnus Hirschfeld: Die Transvestiten
Magnus Hirschfeld: Die Transvestiten

Autor: Magnus Hirschfeld. Titel: Die Transvestiten. Untertitel: Eine Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb mit umfangreichem casuistischen und historischen Material. Verlag: Verlag „Wahrheit“ Ferdinand Spohr. Erscheinungsjahr: 2. Auflage 1925. Bindung: Gebunden, 562 Seiten.

Der 1868 geborene Sexualforscher Magnus Hirschfeld setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin intensiv für die Rechte Homosexueller ein, und mit seinem 1910 erstmals erschienenen Werk „Die Transvestiten“ veröffentliche er die erste Monographie, die sich explizit Transvestiten und Transsexuellen widmet. Alle danach erschienene Trans*-Literatur bezieht sich direkt oder indirekt auf dieses Werk. Das von ihm begründete Magnus-Hirschfeld-Institut wurde direkt nach der Machtergreifung der Nazis verwüstet (möglicherweise, weil so viele NSDAP-Mitglieder in seinen Patientenakten waren), und Magnus Hirschfeld, der sich gerade auf Weltreise befand, betrat nie wieder deutschen Boden. 1935 starb er in Nizza.

Dieses Buch ist auf dem Buchmarkt eine ziemliche Rarität, für die man dreistellige Beträge zahlen muss, wenn mal eines der seltenen Exemplare auf den Markt kommt. Es gibt aber mittlerweile digitalisierte Fassungen und auch einen Reprint (folgt).

Lili Elbe: Ein Mensch wechselt sein Geschlecht. Eine Lebensbeichte, 1932.

Lili Elbe: Ein Mensch wechselt sein Geschlecht
Lili Elbe: Ein Mensch wechselt sein Geschlecht

Autorin: Lili Elbe. Titel: Ein Mensch wechselt sein Geschlecht. Untertitel: Eine Lebensbeichte. Aus hinterlassenen Papieren herausgegeben von Niels Hoyer. Verlag: Carl Reißner Verlag, Dresden. Erscheinungsjahr: 1932. Bindung: Hardcover, 252 Seiten.

Lili Elbe wurde in Dänemark als Einar Wegener geboren und wuchs als Junge auf. Im Alter von 22 Jahren heiratete er Gerda Wegener, zusammen reisten sie durch Europa und ließen sich in Paris nieder – als Maler nannte er sich Andreas Sparre –, und erlangte eine gewisse Bekanntheit.

Ihrer Autobiographie nach trat Lili auf die Bühne, als Gerda ein weibliches Modell brauchte, und Lili Gefallen an der Rolle fand. 1930 reiste sie schließlich nach Deutschland, um sich mehreren Operationen zu unterziehen. Die erste fand dabei unter Aufsicht von Magnus Hirschfeld in Berlin statt, die nachfolgenden in Dresden, durchgeführt durch Kurt Warnekros. Die letzte der Operationen überlebte sie nicht – aber sie hinterließ der Nachwelt ihre Aufzeichnungen, die der befreundete Niels Hoyer (ein Pseudonym für Ernst Harthern) ein Jahr später unter dem Titel »Ein Mensch wechselt sein Geschlecht. Eine Lebensbeichte.« herausgab – es wurde dessen erfolgreichstes Buch. Vielleicht war es sogar Lilis Glück, dass sie die Nazizeit nicht mehr erlebte.

Ihre Autobiographie war erfolgreich, im Jahr 1954 erschien eine Neuausgabe. Und als der amerikanische Schriftsteller David Ebershoff von der Geschichte erfuhr, war er so beeindruckt, dass auch er sie noch einmal im Buch »Das dänische Mädchen« verarbeitete. 2016 kam eine Verfilmung ins Kino.

Auch dieses Buch ist absolut rar, nur sehr selten wird es antiquarisch angeboten. Bis heute gibt es auch keine digitalisierte Fassung oder einen Reprint (zumindest in deutscher Sprache).

Harry Benjamin: The Transsexual Phenomenon, 1966.

Harry Benjamin: The Transsexual Phenomenon
Harry Benjamin: The Transsexual Phenomenon

Autor: Harry Benjamin. Titel: The Transsexual Phenomenon. Untertitel: All the facts about the changing of sex through hormones and surgery. Verlag: Warner Books, New York. Jahr: 1966. Bindung: Softcover, 331 Seiten.

Harry Benjamin wurde in Berlin geboren, lebte aber seit 1913 in den USA. In den 20er Jahren lernte er Magnus Hirschfeld und das Thema Trans* kennen. Mit seinem Buch „The Transsexual Phenomenon“ (nur in Englisch erschienen) leistete er Pionierarbeit für den Umgang mit Transgender in der Nachkriegszeit. Das Buch wurde breit rezipiert und beeinflusste viele Mediziner nach ihm.

Die sogenannte Harry-Benjamin-Skala war ein einflussreicher Ansatz, um zwischen Transvestiten (I), nicht operationsbedürftigen Transsexuellen (II) und Transsexuellen (III) unterscheiden. In einer modifizierten Fassung wurde er vielfach in der Community aufgegriffen.

Das Buch ist antiquarisch nur schwer zu erhalten, das International Journal of Transgenderism veröffentlichte aber um die Jahrtausendwende eine Online-Fassung (heute bei archive.org).

Jan Morris: Conundrum, 1975.

Jan Morris: Conundrum
Jan Morris: Conundrum

Autorin: Jan Morris. Titel: Conundrum. Untertitel: Bericht von meiner Geschlechtsumwandlung. Verlag: Piper, München, Zürich. Erscheinungsjahr: 1975. ISBN: 3-492-02112-3. Bindung: Hardcover, 204 Seiten. Preis: 12,90 DM. Zum Teil noch antiquarisch erhältlich, z.B. bei Amazon.

Jan Morris lebte 35 Jahre als Mann und war u.a. als Reporter bei der Erstbesteigung des Mount Everest 1953 beteiligt. Ihre im Original 1974 erschienene Autobiographie „Conundrum“ (deutsch: Rätsel) gehört zu den frühesten biographischen Werken über Transsexualität.