103/366: Fedor: Die Zofe, ca. 1920

Mit den Bildbänden aus den 70er und 80er Jahren sind wir erstmal durch. Als Kontrapunkt zum größten Buch vor einigen Tagen heute ein kräftiger Sprung in die Vergangenheit zum kleinsten Buch, es ist kleiner als A6. Schätzungsweise ca. 1920 und unter dem Pseudonym »Fedor« erschien ein obskures Büchlein mit dem Titel »Die Zofe«. Und ja, es geht um einen Mann, der in die Frauenrolle schlüpft. Der Rest ist eher pornographisch und explizit, sowohl sprachlich als auch in den Illustrationen, aber so richtig aus dem Klischeebaukasten. Die Themen: Ein zurückgewiesener junger Mann, der Crossdressing nur betreibt, um einer Frau näher zu kommen, Spannen aka. Verletzung von Intimsphäre, die Ansicht, dass eine lesbische Frau nur mal richtigen Sex mit einem Mann braucht, Vergewaltigung uvm. Das sind also ziemlich alte Narrative.
104/366: Memoiren der Ritterin d’Eon, ca. 1900

Heute ein weiterer Nachtrag bei den ganz alten Werken, ein Neuzugang aus dem Februar. Die »Memoiren der Ritterin d’Eon« erschienen ungefähr 1900 im Memoiren-Verlag Bern und sind eine Neuausgabe eines Werks von 1867. Ich glaube, damals hatten sie es noch nicht so mit dem Urheberrecht. Erzählt wird die Geschichte – wie der Titel schon verrät – von Chevalier(e) d’Eon (1728–1810), einer der frühesten bekannten trans* Personen (siehe auch #2/366). Historisch korrekt wird das Buch kaum sein, aber allemal interessant. Ganz wunderbar ist der Jugendstil-Einband, er allein rechtfertigte für mich eigentlich schon den Kauf des Buches.
105/366: Gregor Samarow: Ritter oder Dame, 1878

Und noch ein kleines Stück gen Vergangenheit, wieder geht es um Chevalier(e) d’Eon. Diese Person muss damals eine Faszination ausgeübt haben, so dass eine ganze Reihe von biographischen Texten entstanden sind. Auch in deutscher Sprache gab es einige, so eine Biographie von Frédéric Gaillardet, 1837 in deutscher Übersetzung erschienen (siehe #2), dann 1867 das gestern vorgestellte Buch, und außerdem noch eine Novelle »Ritter oder Dame« von Gregor Samarow, 1878 erschienen. Das ist das heutige Buch – und damit das älteste Werk in meiner Sammlung. Mit einem wunderbaren Exlibris.
