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Lana und Lilly: Die doppelte Transition

Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Einer der weltweit wichtigsten und einflussreichsten Science-Fiction-Filme der letzten Jahrzehnte wurde von zwei trans* Schwestern geschaffen: „The Matrix“, 1999 erschienen.

Ok, die Wachowskis waren damals noch Brüder. Bereits 2003 gab es jedoch schon Gerüchte, dass Lana irgendwie trans* sei, nachdem sie „en femme“ gesehen worden war. 2007 war es tatsächlich offiziell: Lana ist trans! Und 2016 dann der Nachschlag: Auch Lilly hatte ihr Coming Out als trans Frau. Hammer!

Die Transitionen der Wachowskis waren etwas Besonderes. Denn bis dahin hatten sich nur ganz wenige Personen, die im öffentlichen Leben stehen, als trans* geoutet. Die Wachowskis und Caitlyn Jenner waren als sehr bekannte Personen Leuchttürme!

Matrix als trans* Metapher?

Das müsste doch Auswirkungen auf die Rezeption ihrr Filme haben. Dachte ich. Als neugieriger Podcast-Fan widmete ich mich mit dieser Brille dem spannenden Podcast Minutenweise Matrix. Dort wird der erste Film der Matrix-Trilogie wortwörtlich Minute für Minute seziert. Mit wechselnden Gästen erschienen von Herbst 2018 bis Sommer 2019 136(!) Folgen mit fast 70 Stunden spannendem Hörerlebnis. Nur das Thema Trans* fehlte fast komplett, eine einzige Folge widmete sich ein bisschen den Transitionen von Lana und Lilly, und was wohl trans* in Matrix sein könnte. Ich war ein wenig enttäuscht, denn ich hatte bei einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit allen Facetten von Matrix erwartet, mehr zu hören.

Hier wiederholte sich, was ich schon vorher erstaunt beobachtet hatte: Den Meisten ist die trans* Ebene eigentlich nur eine Randnotiz wert. Offensichtlich unterschätzen alle, die nicht selbst trans* sind, welche zentrale und fundamentale Rolle dieses Thema im Leben von „Betroffenen“ spielt.

Im August 2020 ging dann die Nachricht um die Welt, dass für Lilly Wachowski Matrix auch eine Metapher über Trans* sei. Damit sprach sie aus, was v.a. innerhalb der trans* Community bereits vorher diskutiert wurde: Matrix als Film über Trans*. Aber außerhalb dessen war diese Ebene so gut wie nie wahrgenommen worden, glaube ich.

Zu Gast bei Minutenweise Matrix

Ich fragte beim Podcast-Team an, ob sie dieses wichtige Thema noch irgendwie aufgreifen wollten, und nach einigen Nachrichten entstand die Idee, dass wir zusammen darüber reden wollen. Ich holte noch meine gute Freundin Jula an Bord, und im Dezember war es dann endlich so weit. Wir versammelten uns an unseren über die Republik verteilten Schreibtischen, um eine Nachtragsfolge von „Minutenweise Matrix“ aufzunehmen. Happy little incident!

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Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn du es dir anhören magst, für mich war es eine Podcast-Premiere. Hier geht es zur Folge!

Das gesammelte Material wollte ich aber zusätzlich in Textform veröffentlichen, das ist der Sinn dieses Blogposts. Also holen wir mal weit aus.

Matrix damals

Als Matrix im Juni 1999 in die deutschen Kinos kam, muss ich den Film gleich geguckt haben. Mir fehlt zwar die konkrete Erinnerung, aber ich habe tatsächliche eine alte Mail aus dem September 1999 gefunden, in der ich mit einem Freund über den Film spreche. Ich bin ein Fan von dystopischen Filmen und Weltraum-Science-Fiction, und da passte Matrix ja ganz gut dazu.

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich irgendwas hinsichtlich Trans* darin gesehen habe. Aber die visuellen Effekte („Bullet Point“) und die Story haben mich natürlich beeindruckt. Eine für mich sichtbare Interpretationsebene war religiös. Aber ansonsten: Nicht viel.

Virtuelle Identitäten

Eine Parallele zu meinem Leben gab es aber. In Minute 18, also recht früh im Film, spricht Mr. Smith nach der Festnahme mit Neo über sein „Doppelleben“:

Wie es scheint, führen Sie ein Doppelleben. Für die einen sind Sie Thomas A. Anderson, Programmierer bei einer respektablen Softwarefirma. Sie haben eine Sozialversicherungsnummer, zahlen Steuern und Sie helfen alten Leuten, den Müll hinauszubringen. In Ihrem anderen Leben sind Sie bekannt unter dem Decknamen: Neo, der große Hacker, der nahezu jedes mögliche Computerverbrechen begangen hat. Eines dieser zwei Leben hat eine Zukunft… das andere nicht.

Mr. Smith zu Neo, Minute 18

Das erinnerte mich deutlich an mein „geheimes“ zweites Leben. Es gab den Alltag (damals v.a. an der Uni) in der männlichen Rolle, wo niemand etwas von meinem anderen Dasein ahnte. Und es gab mich mit anderem Namen als weibliches Wesen im Internet, in einer allmählich entstehenden Online-Community. Seit 1997 hatte ich Zugang zum Internet und fand zum ersten Mal Austausch zu trans* Themen. Ich hatte mir eine neue Identität erschaffen. Das wichtigste Medium zum Austausch für mich war ein Transgender-IRC-Chat. Außerdem es gab etliche private „Homepages“ bei GeoCities (WestHollywood!), einem damals populären Provider für kostenlosen Webspace. (Wie so vieles viele Jahre später von Yahoo oder AOL getötet …)

Diese Art von Crossdressing, von virtuellen Identitäten, wurde damals in den Kulturwissenschaften auch theoretisch beleuchtet. Heute mag uns das selbstverständlich erscheinen, aber Ende der 90er Jahre war es neu.

Daneben begeisterte mich auch die Filmmusik (wie ich überhaupt Filme mit großartiger Musik am meisten mag).

Und ein Fun Fact am Rand: Hugo Weaving, der als Mr. Smith eine der Hauptrollen in Matrix spielt, trat 5 Jahre zuvor im australischen Roadmovie „Priscilla, Königin der Wüste“ (1994) als Drag Queen auf, ebenso in einer Hauptrolle. Und mehr als 10 Jahre nach Matrix spielte er in „Cloud Atlas“ (2012) zahlreiche Rollen, u.a. die einer (ziemlich fiesen) Krankenschwester.

Nachträgliche Interpretation? Oder schon immer trans*?

Wie zu Beginn erwähnt erschien im August 2020 ein Video im Netflix Film Club mit dem Titel „Why The Matrix Is a Trans Story According to Lilly Wachowski“. Darin spricht sie darüber, dass Matrix auch eine trans* Ebene hat.

Was bedeutet das? Kann man rückblickend eine Trans-Ebene in die Filme hineininterpretieren? Oder war diese von Anfang an da? Wenn du selbst trans* bist, weißt du das meistens schon sehr lange, und es prägt deine Sicht auf die Welt. Hatten die Wachowskis das Thema also von Anfang an auch „eingebaut“? Was ist trans* in der Matrix?

Die Zeichen sind eindeutig. Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten für Matrix, und die trans* Ebene ist eine weitere!

Matrix als frappierende(!) trans* Allegorie und weitere Symbole

Was ist also trans* in Matrix? Fangen wir mit zwei eher oberflächlichen Symbolen an.

#1 Switch

Die Figur „Switch“ ist wohl das bekannteste trans* Indiz im Film. Ursprünglich war die Figur so angelegt, dass sie das Geschlecht wechselte. Ihr Name „Switch“ verweist deutlich darauf. In der echten Welt sollte sie männlich sein, in der Matrix weiblich. Daraus wurde aber nichts, Produzent Warner Bros. wollte dies wohl nicht. Oder um die Wachowskis zu zitieren: „The corporate world wasn’t ready for it.“ Tatsächlich war Ende der 90er Jahre die Repräsentation von trans* Figuren in den Massenmedien noch höchst problematisch und keineswegs positiv besetzt (dies ist eine eigene Diskussion wert). Und Warner hatte wohl Angst, dass dies dem Publikumserfolg abträglich sein könnte.

Switch ist wohl das bekannteste (und meistens einzige bekannte) trans* Indiz. Wenn irgendwo überhaupt über Trans* in Matrix gesprochen wird, dann über Switch. Aber das ist doch ein recht oberflächliches Hineininterpretieren.

#2 Der Zoom zwischen „M“ und „F“

Ein weiteres eher oberflächliches, aber sehr anschauliches Symbol können wir ganz am Ende des Films sehen. Die Kamera zoomt allmählich in den Bildschirm hinein, genau in eine große schwarze Fläche zwischen SYSTEM und FAILURE. Zwischen dem M und dem F tut sich buchstäblich ein großer Raum auf: Es existiert eine ganze Welt zwischen M (für Mann oder male oder masculine) und F (für Frau oder female oder feminine)! Ist dies nicht ein wunderbares Zeichen dafür, dass es jenseits einer rigiden, binären Welt von Männlichkeit und Weiblichkeit noch so viel mehr geben kann?

#3 Allegorie für die Transition

Nachdem die letzten beiden Indizien schon recht spannend, aber doch eher eine kleine Rolle spielen, möchte ich zum zentralen Punkt kommen. Matrix ist eine geradezu frappierende Allegorie: Die ganze Handlung erzählt alle Aspekte einer „üblichen“ Transition! Also dem allmählichen Weg von Mann zu Frau bzw. Frau zu Mann, den trans* Menschen gehen (wenn sie es tun).

Los geht es mit der Bewusstwerdung der eigenen trans* Identität, also zu erkennen, dass du trans* bist. Thomas Anderson hat irgendwann gemerkt, dass er im „alltäglichen“ Leben eine Rolle spielt, die ihm nicht behagt. Etwas stimmt nicht. Und genau dieser Prozess spielt sich im Innenleben ab, wenn du trans* bist. Du spürst, dass etwas nicht stimmt. Dass du nicht die Person bist, als die dich alle wahrnehmen. Du bist nicht Thomas Anderson. Auch wenn es natürlich für alle anderen gar keinen Zweifel geben kann. Dieses „innere Coming Out“ kann schnell gehen, manche Kinder wissen es schon in sehr frühem Alter. Andere brauchen Jahrzehnte, um dem Unbehagen auf die Spur zu kommen. Auch wenn da schon immer etwas war: Es kann sehr, sehr lange dauern, bis du verstehst, was mit dir los ist.

Der nächste Schritt ist der Wechsel des Namen bzw. das Erschaffen einer neuen Identität. Aus Thomas Anderson wird Neo. Er ist nicht mehr der Büroangestellte, sondern eine andere Person mit anderem Namen. (Also strenggenommen ist er beides.) Und ebenso geht jede trans* Person durch diese Phase: Nachdem du für dich selbst erkannt (und idealerweise akzeptiert) hast, dass du trans* bist, möchtest du diese neue Identität auch leben, erleben. Du gibst dir einen neuen Namen und schlüpfst in einer neue Rolle. Sei es virtuell im Netz, sei es heimlich zu Hause, oder sei es ganz öffentlich, indem du hinausgehst in die Welt und die neue Rolle ausprobierst. Du lebst in einer veränderten Welt, wirst anders wahrgenommen, hast andere soziale Kontakte (außer es ist 2020, und du musst Kontakte reduzieren …), siehst anders aus, heißt anders.

Auf dem Weg der Transition kommt irgendwann der Punkt, wo du es nicht beim reinen „Ausprobieren“ der Rolle lassen möchtest, für den Wechsel auf die „andere Seite“ benötigst du Zugang zu medizinischen Möglichkeiten. Zentral sind dabei Hormone, also weibliche Geschlechtshormone für trans Frauen (v.a. Östrogen) und männliche Geschlechtshormone für trans Männer (Testosteron). Die Szene mit der roten und der blauen Pille steht genau dafür. Sogar den Begriff kann man so sehen: Die „Pille“ (englisch „pill“) als umgangssprachliche Kurzform für die Antibabypille, die v.a. Östrogen enthält, bringt genau die Wirkstoffe, die sich trans Frauen erwünschen (Lana und Lilly hatten hier vermutlich die Perspektive von trans Frauen inne). In der deutschen Synchronisation wird zwar der Begriff „Kapsel“ verwendet, aber alle reden von der roten „Pille“ …

Sogar die sogenannten Gatekeeper sind im Film Matrix enthalten. Ich bekomme die Hormone ja nicht einfach so. Ich kann nicht zum Arzt gehen und mir Hormone verschreiben lassen, wenn ich trans* bin. Nein: Ich brauche zunächst ausführliche Gespräche mit Psychotherapeut*innen oder anderen „Expert*innen“, denen ich glaubhaft versichern muss, dass ich wirklich trans* bin. Erst dann erhalte ich Zugang zu den gewünschten medizinischen Maßnahmen. Und ebenso verhält es sich im Film: Morpheus ist der Gatekeeper, der Neo die Pille zugänglich macht.

Schauen wir uns Neos Reise weiter an: Ausgehend vom Spiegelbild verändert sich sein Körper (wie Hormone, die allmählich wirken). Er wacht in einer komplett fremden Welt auf, mit verändertem Körper, an Schläuche angeschlossen. Was für eine Allegorie auf die geschlechtsangleichende Operation(en)! Seid ihr schonmal auf der Intensivstation eines Krankenhauses nach einer größeren Operation aufgewacht? Den ganzen Körper voller Schläuche und Anschlüsse? Und die Operation verändert deinen Körper an wesentlichen Stellen. Du kommst geradezu in einer anderen Welt an.

Was jetzt folgt, ist die soziale Reintegration. Bei Neo außerhalb der Matrix, bei trans* Menschen im „neuen Geschlecht“. Vieles muss neu gelernt werden, und es braucht Zeit und Energie, sich zurechtzufinden und an das neue Leben zu gewöhnen.

Die Story von Neo in Matrix lässt sich also wunderbar aus einer trans* Perspektive interpretieren! Natürlich ist das jetzt etwas vereinfacht, aber die Parallelen sind doch erstaunlich!

Und mehr

Damit hört es natürlich nicht auf. Es gibt noch etliche kleinere Szenen und Situationen, die eine trans* Interpretation erlauben.

Ein Beispiel ist das Beharren von Mr. Smith, Neo unter seinem „alten“ Namen Mr. Anderson anzusprechen. Das ist exakt das, was trans* Menschen als sogenanntes „Deadnaming“ erleben. Sie werden mit ihrem alten Namen angesprochen. Meist ist das ein klares Zeichen, dass der Mensch gegenüber die trans* Person nicht respektiert und entsprechend nicht mit dem richtigen „neuen“ Namen anspricht.

Oder das Versteckspiel der Nebukadnezar, dem Schiff der Crew in der richtigen Welt. Immer wieder laufen sie Gefahr, von den „Wächtern“ entdeckt und vernichtet zu werden. Auch das entspricht einem Phänomen, das viele trans* Menschen erleben oder früher häufiger erlebt haben. Die ersten vorsichtigen Schritte in die andere Rolle finden oft heimlich statt, und es darf auf keinen Fall jemand entdecken. Ansonsten ist die „bürgerliche Existenz“ der Person vernichtet – und es gibt keinen Weg zurück. Das ist zum Glück etwas, das heute nicht mehr so eine große Rolle spielt wie vor 15 oder 25 Jahren oder noch eher. Aber die Angst vor Entdeckung und negativen Konsequenzen kennen alle trans* Menschen.

Und schließlich: Es geht in Matrix durchaus weiter. Es geht nicht nur um den Wechsel von einer Identität zu einer anderen. Wir können mehrere, verschiedene Identitäten haben. Das wird in Matrix 2 und 3 noch deutlich weiterentwickelt. Wie auch eine Öffnung, die über ein binäres Mann-Frau-Schema deutlich hinausgeht.

Die perfekte trans* Metapher

Neben der Handlung von Matrix, die frappierend genau die „Reise“ als trans* Mensch zeichnet und einzelnen Szenen, die eine trans* Ebene offenbaren, gibt es auch Dialoge, die unter der trans* Brille eine ganz neue Bedeutung offenbaren.

Eine der wohl bekanntesten Szenen von Matrix ist jene, in der der Morpheus Neo die rote und die blaue Pille anbietet. Und der Dialog zwischen beiden beschreibt exakt, wie es sich anfühlt, trans* zu sein, und was sich nicht mit Sprache ausdrücken lässt:

Morpheus: „Ich weiß ganz genau, was du meinst. Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst, aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich verrückt macht. Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt… Weißt du wovon ich spreche?“

Neo: „Von der Matrix?“

Morpheus: „Möchtest du wissen, was genau sie ist? …Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier ist sie. In diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst… oder in die Kirche und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken.“

Neo: „Welche Wahrheit?“

Morpheus: „Dass du ein Sklave bist, Neo. Du wurdest, wie alle, in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand. Dummerweise ist es schwer, jemandem zu erklären, was die Matrix ist… Jeder muss sie selbst erleben…

Dialog von Morpheus und Neo, Minute 29

Trans* zu sein ist immer in deinem Bewusstsein. Und die „Sprachlosigkeit“ ist genau das, was auch ich immer wieder erlebt habe: Du kannst einem anderen Menschen nicht erklären, wie es ist trans* zu sein, es ist nur fühlbar. Ich kann mein Gegenüber nur dazu bringen, mir zu glauben, dass ich so empfinde.

Ein prophetischer Ausblick

Und schließlich die (fast) finale Szene, bevor die Kamera in die Buchstaben hineinzoomt wie oben beschrieben. Was Neo hier sagt, ist nicht weniger als prophetisch für die Sichtbarwerdung der queeren Menschen:

Ich weiß, dass ihr irgendwo da draußen seid. Ich kann euch jetzt spüren. Ich weiß, dass ihr Angst habt, Angst vor uns. Angst vor Veränderungen. Wie die Zukunft wird, weiß ich nicht. Ich bin nicht hier, um euch zu sagen, wie die Sache ausgehen wird. Ich bin hier, um euch zu sagen, wie alles beginnen wird. Ich werde den Hörer auflegen und den Menschen das zeigen, was sie nicht sehen sollen. Ich zeige ihnen eine Welt ohne Euch. Eine Welt ohne Gesetze, ohne Kontrollen und ohne Grenzen. Eine Welt, in der alles möglich ist. Wie es dann weitergeht, das liegt ganz an euch.

Minute 129

Sichtbarkeit

Matrix stammt aus dem Jahr 1999. Trans* Menschen in der Öffentlichkeit? Es gab nur extrem wenig Sichtbarkeit. Und was ist seitdem passiert? Es gibt eine globale queere Community, die mit Stolz und Energie für ihre Rechte und ihre Sichtbarkeit kämpft, Missstände anprangert und nicht mehr schweigt. Vor 20 Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können.

Denken wir an Chelsea Manning. An Laverne Cox. An die Wachowskis. An trans* Menschen in verantwortungsvollen Positionen in Gesellschaft und Politik, in der Wirtschaft, in Social Media, im Film und in der Kultur überhaupt. Und an die in deiner nächsten Umgebung.

Wir sind da, wir werden nicht mehr gehen, wir weden nicht mehr schweigen.

Quellen und weiterführende Informationen

Keegan, Cáel M. Lana and Lilly Wachowski. Contemporary Film Directors. Urbana: University of Illinois Press, 2018 (bei Amazon kaufen)

Gerüchte 2003: https://gothamist.com/arts-entertainment/sex-change-for-larry-wachowski 

HRC Visibility Award: https://www.youtube.com/watch?v=crHHycz7T_c (deutschsprachige Transkription: https://www.julaonline.de/lana-wachowskis-hrc-visibility-award-acceptance-rede/)

Matrix as a trans methaphor: https://www.bbc.com/news/newsbeat-53692435 und https://www.youtube.com/watch?v=adXm2sDzGkQ 

Why The Matrix Is a Trans Story According to Lilly Wachowski (Netflix Film Club): https://www.youtube.com/watch?v=adXm2sDzGkQ und https://twitter.com/NetflixFilm/status/1291439319245234177

Zwischen Blau und Rot plötzlich auch ein Regenbogen: https://www.zeit.de/kultur/film/2020-08/matrix-transgender-wachowski 

Feder, Sam. Disclosure: Hollywoods Bild von Transgender. Streaming, Documentary. Disclosure Films,  Bow and Arrow Entertainment,  Field of Vision (II), 2020. (bei Netflix)

Twitter-Thread zu Matrix und Trans*: https://twitter.com/NetflixFilm/status/1291444534430187520 

Trivia bei IMDB: Switch war als trans* Figur angelegt: https://www.imdb.com/title/tt0133093/trivia?tab=tr&item=tr1556522 

Podcast “There are no girls on the internet”, Folge zu Matrix: https://www.tangoti.com/ep007-how-the-matrix-explains-a-trans-experience

Die Standbilder aus dem Film habe ich mit freundlicher Genehmigung von Compendion.net übernommen.

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